Worte der Obfrau der Patchworkgilde Österreich
Wenn Ihr diesen Brief lest, sind der World-Wide-Knit-in-Public-Day sowie der europäische Quilt-in-Public-Day hoffentlich erfolgreich
über die Bühne gegangen.
Es sind Tage, an denen wir QuilterInnen und StrickerInnen der Außenwelt zeigen, dass es uns gibt, ohne dass die Welt dazu in eine Ausstellung oder
in ein Fachgeschäft gehen muss.
Seit 1959 hat die UNO im viel größeren zeitlichen und geographischen Ausmaß Internationale Jahre ausgerufen, die dem Zweck dienen, Sachverhalte/Probleme von globaler Wichtigkeit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, und Maßnahmen gegen die Auswirkungen derselben auf internationaler Ebene anzuregen.
2009 war u.a. das Jahr der Naturfasern. Leider ist es an mir spurlos vorbeigegangen, trotz meiner Leidenschaft
für Textilien aller Art, aber ich habe mich im Internet schlaugemacht (http://www.naturalfibres2009.org/).
Jedes Jahr werden ca. 35 Millionen Tonnen natürlicher Fasern von Pflanzen und Tieren geerntet, z. B. von Schafen, Kaninchen, Ziegen,
Kamelen und Alpacas, von Baumwollsamenkapseln, Sisalblättern und Kokosnussschalen sowie aus den Stängeln der Jute-, Hanf-, Flachs- und Ramiepflanzen.
Diese Fasern werden dazu verwendet, um Stoffe, Seile, Schnüre und Garne herzustellen, die der Menschheit unverzichtbare Dienste seit Beginn der Zivilisation
geleistet haben. Seit ca. 50 Jahren sind viele Naturfasern für unsere Kleidung, in unseren Haushalten, in der Industrie und in der Landwirtschaft
durch synthetische Fasern mit Namen wie Acryl, Nylon, Polyester und Polypropylen verdrängt worden.
Synthetische Fasern sind so erfolgreich, weil sie so billig sind. Die Massenproduktion erlaubt zudem einheitliche Stärken,
Längen und Farben der Fasern, die auf bestimmte Anwendungen genau angepasst werden können.
So angepasst sind Schafe z.B. leider nicht!
Der ungleiche Wettbewerb von synthetischen Fasern und Naturfasern in Verbindung mit der gegenwärtigen
globalen Wirtschaftsflaute wirkt sich auf die Lebensgrundlage von Millionen Menschen aus, die von der Produktion und Verarbeitung von Naturfasern abhängig sind.
Daher wurde 2009 zum International Jahr der Naturfasern deklariert, um Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Naturfasern,
nicht nur für Produzenten und Industrie, sondern auch für Konsumenten und die Umwelt zu ziehen.
Wir QuilterInnen können dazu beitragen, dass Baumwolle sich weiterhin rentiert, wobei ich aus Platzgründen hier leider nicht auf die Problematik der Monokultur, der Pestizide, des Wasserbedarfs und der Genmanipulation eingehen kann. Aber es gibt hier ja auch positive Entwicklungen in Richtung Bio-Baumwolle.
Eigentlich wollte ich ja für diesen Brief nach dem Tag der verlorenen Socken forschen. Der ist am 9. Mai und an mir auch spurlos vorbeigegangen. Informationen auf: http://www.holidayinsights.com/other/lostsockday.htm.
Und in diesem Sinne: happy quilting, happy knitting und happy sock hunting!
Eure Helen Heaney
Jedes Quartal neu - die Worte der Obfrau in der Pinwand!
